Schweirerischer Bobsleigh-, Schlitten- und Skeleton-Sportverband
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OS10/Bob: Vorschau



Rüegg und Hefti, die grossen Trümpfe

Bob-Medaillen sind zum Greifen nah

von Marco Ackermann (Si)

(Si) An Olympischen Winterspielen hat die Schweiz nur im alpinen Skisport mehr Medaillen geholt als im Bob. Dank Ivo Rüegg und Beat Hefti darf man zuversichtlich sein, dass es auch in der Bahn von Whistler Podestplätze zu bejubeln gibt.

9 mal Gold, 10 mal Silber und 11 mal Bronze: So eindrucksvoll sieht die Olympia-Bilanz der Schweizer Bobfahrer aus. Fritz Feierabend, Franz Kapus, Jean Wicki, Erich Schärer, Ekkehard Fasser und Gustav Weder haben sich in den Annalen verewigt. Bei Olympia sind die eidgenössischen Eiskanal-Artisten letztmals 1964 in Innsbruck leer ausgegangen. Es zeichnet sich nicht ab, dass die Serie reissen könnte.

Der Welt- und der Europameister

Am verheissungsvollsten ist die Ausgangslage im Zweier der Männer. In dieser Sparte stellt die Schweiz mit Ivo Rüegg den Weltmeister und Sieger des Disziplinen-Weltcups sowie mit Beat Hefti den Europameister, der in der eben abgelaufenen Weltcup-Saison an vier Stationen gewonnen hat und in der Anlaufspur mit seiner "Startrakete" Thomas Lamparter unschlagbar ist. Sollten die Platzhirsche versagen, könnte Daniel Schmid, der Chef von "Schweiz III", in die Bresche springen. Mit EM-Bronze hat er bewiesen, dass er in der Lage ist, in der erweiterten Weltspitze mitzumischen.

Zwar werden die Karten in Whistler neu gemischt, doch verschiedene Faktoren stimmen optimistisch. So haben beispielsweise schon beide Top-Steuerleute in der Olympia-Bahn hervorragende Leistungen gezeigt: Rüegg in der Ende Oktober lancierten internationalen Trainingswoche, Hefti als Zweiter des im vergangenen Februar ausgetragenen Weltcup-Boblet-Rennens, in dem er im zweiten Durchgang sowohl den Start- als auch den Bahnrekord unterboten hatte.

Die zuletzt angeschlagenen Anschieber Cédric Grand, Jürg Egger, Alex Baumann und Christian Aebli haben offenbar ihre Verletzungen überstanden, und mit dem viel gepriesenen CITIUS-Material dürfte man mehr als konkurrenzfähig sein.

Aufgepasst auf Lange

Im bisherigen Saisonverlauf ist für die Schweizer einiges nach Plan gelaufen, trotzdem kam es zu Turbulenzen und kleinen Rückschlägen. Beat Hefti entfachte eine Diskussion, in der er seinen Unmut darüber äusserte, dass er beim Highlight Olympia zwei Teammitglieder an Konkurrenten abtreten müsse. Auf Geheiss des Verbands wechselte Lamparter im Vierer zu Rüegg, Egger verstärkt im Zweier Schmid.

Ausgerechnet beim Heim-Weltcup in St. Moritz blieben die Schweizer unter den Erwartungen. Mit den grossen Schlitten kamen sie lange nicht zurecht. Hefti und Schmid stürzten im Training auf dem Hochgeschwindigkeits-Kurs in Whistler. Von gewissen Seiten wird Hefti nicht zugetraut, dass dieser bereits über die technischen Fähigkeiten verfügt, um in der Olympia-Bahn bestehen zu können. Vor vier Jahren an den Spielen von Turin war der Appenzeller noch Anschieber gewesen, mit Martin Annen feierte er zwei Bronzemedaillen.

Der ernsthafteste Rivale der Schweizer heisst Andre Lange. Der Deutsche peilt zum Abschluss seiner glorreichen Karriere an, als erster Steuermann überhaupt zum zweiten Mal in Folge das Double "Olympia-Gold im Zweier und im Vierer" zu realisieren. Nach Problemen zu Saisonbeginn verzeichnete Lange in jüngster Vergangenheit einen klaren Aufwärtstrend; Im Vierer stand er viermal hintereinander zuoberst auf dem Podest.

Diplom für die Frauen?

Bei den Frauen ist aus Schweizer Sicht wie in Salt Lake City (4. Françoise Burdet) und Turin (8. Maya Bamert) mit einem Diplom zu rechnen. Für diese Auszeichnung kommt primär die Formation Sabina Hafner/Caroline Spahni in Frage, die zweite Vertretung besteht aus Fabienne Meyer und Hanne Schenk. Die Gegnerschaft aus Deutschland und Nordamerika dürfte nur schwer zu bezwingen sein.

Exoten aus Liechtenstein

Wie so oft sind Olympische Spiele auch ein Schaufenster für Exoten. Die Jamaikaner haben einen Quotenplatz verpasst, jedoch könnte eine Equipe aus dem Fürstentum Liechtenstein für einen Farbtupfer sorgen. Sportlich betrachtet dürfte für die Mannen um Michael Klingler, die meistens im Europacup oder im America's Cup unterwegs sind, lediglich das Motto "Dabei sein ist alles" gelten.


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