Bob: Zweierbob-WM Lake Placid -- Text (WoEndZus)
Erster Schweizer WM-Titel mit dem Zweierbob seit 12 Jahren
Ivo Rüegg: Erfolgreiche Goldmission in den USA
von Daniel Good (Si), Lake Placid
(Si) Dank Ivo Rüegg stellt die Schweiz erstmals seit zwölf Jahren den Zweierbob-Weltmeister. In Lake Placid (USA) wies der Ausserschwyzer Steuermann die Weltelite souverän in die Schranken.
Der am 4. April 38 Jahre alt werdende Rüegg verbuchte mit dem Genfer Hintermann Cédric Grand (33) in drei von vier Durchgängen die beste Zeit. Er gewann zum zweiten Mal einen WM-Titel nach jenem 2007 mit dem schweren Schlitten.
Rüegg übernachtete mit 6/100 Vorsprung, baute die Reserve vor der Entscheidung auf elf Hundertstel aus und verdoppelte sie im vierten Durchgang. Zweiter wurde wie im Vorjahr der deutsche Steuermann Thomas Florschütz, Steven Holcomb (USA) eroberte als Dritter erstmals eine WM-Medaille. Holcomb überholte im 3. Durchgang den zuvor drittklassierten Russen Alexander Zubkow.
Der Aargauer Daniel Schmid landete auf dem ordentlichen 10. Platz, nur den 13. WM-Rang gab es für den Weltcup-Gesamtsieger und EM-Zweiten Beat Hefti.
Rüegg gewann bereits vor zwei Jahren WM-Silber mit dem Zweierbob. Er ist der erste Schweizer Zweierbob-Weltmeister seit 1997, als sein heutiger Klubpräsident Reto Götschi (BC Zürichsee) in St. Moritz triumphiert hatte.
Als Vierter des Gesamt-Weltcups hatte Rüegg im Vorfeld der WM zu den Anwärtern auf Edelmetall gezählt. Dass er überlegen Gold holen würde, ist aber als Überraschung zu werten. "Ich wollte um eine Medaille mitkämpfen. Nach dem ersten Wettkampftag war erstmals klar, dass es mehr werden könnte", sagte Rüegg.
Geschlafen habe er gut, übermässig nervös sei er vor der Entscheidung nicht gewesen, auch wenn er erstmals in seiner Karriere über Nacht WM-Leader gewesen sei, sagte Rüegg weiter. "Der Vorsprung war knapp. Das motivierte uns. Die Ausgangslage war im Prinzip gleich wie vor dem ersten Lauf." Immerhin wies Rüegg nach halbem Pensum 28/100 Reserve auf den Vierten (Holcomb) auf und hatte eine Medaille in Griffweite.
Auf der fahrtechnisch höchst anspruchsvollen Bahn im Bundesstaat New York hatte Rüegg 2003 sein WM-Debüt gegeben (7. Platz mit dem Viererbob). "Die Bahn liegt mir sehr. An der WM will ich reüssieren", hatte Rüegg schon im Herbst erklärt. Er weilte schon im April und Oktober zur WM-Vorbereitung in Lake Placid.
Dem Weltcup räumte er keine grosse Bedeutung ein. Die Saison eröffnete der rund 100 kg wiegende Rüegg Ende November mit einem 16. (!) Platz. Die beste Ausbeute im Weltcup 2008/2009 verbuchte Rüegg im Januar mit den zweiten Rängen in Königssee (De) und St. Moritz. Im Rampenlicht stand aber meistens der Newcomer Hefti.
Mehr als ein Scherflein zum Titelgewinn steuerte Rüeggs Hintermann Grand, der schon 2001 mit Götschi WM-Silber gewonnen hatte, bei. Erstmals in dieser Saison warteten die beiden Schweizer mit wettbewerbsfähigen Startzeiten auf. Grand, der seit 1999 den Landesrekord über 60 m hält: "Ich gebe zu, dass ich in dieser Saison Durchhänger hatte. In der ersten WM-Woche haben wir aber auch nochmals technisch gearbeitet." Rüegg fährt wie Weltmeisterin Nicola Minichiello (Gb) einen Zweierbob, den der Zürcher Ex-Weltmeister Hans Hiltebrand gebaut hat.
Hefti lag nach halbem Pensum noch an 9. Stelle. In der Startspur waren Hefti und Thomas Lamparter wie erwartet vier Mal die Schnellsten, an den Steuerseilen liess der 31-jährige Appenzeller an seiner ersten WM als Pilot aber reichlich Wünsche offen. Schon im Training hatte Hefti Mühe bekundet.
"Sicher habe ich mir mehr erwartet. Ich wusste aber, dass es schwierig werden würde", sagte Hefti. Er trug den happigen Rückstand (2,34 Sekunden) mit Fassung: "Wir haben getan, was möglich war. Mehr ging nicht. Was soll ich mich also gross ärgern." Zudem konnte Hefti im zweiten Durchgang nur mit Glück einen Sturz vermeiden.
Der dritte Schweizer WM-Steuermann Schmid hielt am Start dank der Verstärkung Roman Handschin (aus dem Team Rüegg) zwar einigermassen mit, vermochte aber insbesondere am Samtag nicht an seine guten Trainingsleistungen anzuknüpfen. Schmid wollte unter die ersten acht, was er um fast vier Zehntel verpasste.
Neben Hefti gab es weitere Verlierer. Titelverteidiger und Olympiasieger Andre Lange (35) verbuchte mit dem 5. Rang sein schlechtestes WM-Resultat seit 10 Jahren. Im deutschen Lager scheint sich mithin eine Wachablösung anzubahnen. Florschütz (31) gewann in dieser Saison drei der acht Weltcup-Rennen, Lange bloss eines. Nur auf Position 6 und noch hinter Lange landete mit Pierre Lueders (38) der zweifache Saisonsieger. Auch der Kanadier gehörte im WM-Vorfeld zum Kreis der absoluten Topfavoriten. COPYRIGHT by Sportinformation, Zürich ALL RIGHTS RESERVED WORLDWIDE - FOR PERSONAL USE ONLY
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