Schweirerischer Bobsleigh-, Schlitten- und Skeleton-Sportverband
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Bob: EM/Weltcup-Finale in Igls -- Text (WoEndZus)



Gold für Hefti, Silber für Rüegg, Bronze für Schmid

Bobfahrer nahmen bei EM Revanche für "Heimniederlage"

von Marco Ackermann (Si), Igls

(Si) Die Schweizer Bob-Delegation ist mit vier EM-Medaillen vom Weltcup-Finale in Igls abgereist. Sie zeigte eine Woche nach der Heimschlappe von St. Moritz eine erstaunliche Reaktion.

Den Schlusspunkt setzte Ivo Rüegg. Die nominelle Nummer 1 des Landes holte am Sonntagnachmittag mit dem Vierer Silber. Rüegg musste sich mit dem grossen Schlitten dem Deutschen Andre Lange um fünf Hundertstelsekunden geschlagen geben, nachdem er bis zur allerletzten Zwischenzeit noch geführt hatte. Es scheint so, als würde der Ausserschwyzer nicht Europameister werden können. Rüegg belegte bei den kontinentalen Titelkämpfen bereits zum fünften Mal den 2. Platz. Ihm ist somit in der soeben zu Ende gegangenen Weltcup-Saison ein Einzel-Sieg verwehrt geblieben, trotzdem sicherte er sich am Samstag dank Rang 7 mit dem kleinen Schlitten die Krone in der Zweier-Gesamtwertung.

Erster Streich von Hefti

Mit dem Zweier hatte der strahlende Sieger Beat Hefti geheissen -- wie in Park City, Cesana und Winterberg. Der Appenzeller konnte seinen ersten internationalen Titel als Steuermann feiern. Er wies Lange um etwas mehr als eine Zehntel in die Schranken. Wie so oft hatte Hefti mit seinem Top-Anschieber Thomas Lamparter die mit Abstand besten Startzeiten hingelegt, was auf der Bahn im Tirol besonders ins Gewicht fällt.

Hefti meinte nach dem Triumph: "Auf diese Titelkämpfe haben wir den ganzen Winter hingearbeitet. Es ist schön, dass ich nach all den Diskussionen diesen Erfolg landen konnte." Er sprach damit die Personalrochaden an, die der Verband zu seinen Ungunsten in die Wege geleitet hatte. Im Hinblick auf Olympia muss er bekanntlich Lamparter an Rüeggs Vierer und Jürg Egger an Daniel Schmids Zweier abtreten. Die Sache ist für ihn noch nicht erledigt, er zeigt keine Anzeichen von Versöhnung. Die Situation sei für ihn nach wie vor alles andere als einfach. Mit dem Vierer wurde er lediglich EM-Zehnter.

Schmid hat olympisches Diplom im Visier

Dass die Umbesetzungen aus sportlicher Sicht einer gewissen Logik entsprechen, haben die Rennen in Igls bewiesen. Dank Lamparters Anschub-Power hatte Rüegg eine Hand und vier Finger an EM-Gold, und Egger verhalf Schmid zu dessen zweiten Weltcup-Podestplatz der Karriere. Die neuen Kooperationen funktionieren bislang. Schmid sagte nach dem Gewinn von EM-Bronze überglücklich: "Die erste Fahrt war vielleicht etwas zu verhalten gewesen, aber grundsätzlich gelangen mir sehr solide Leistungen." Bei Halbzeit hatte der Aargauer noch auf dem 6. Platz gelegen. Dann lancierte er eine grandiose Aufholjagd. Mit seinem Tempo vermochte nur Lange mitzuhalten. Schmid profitierte bei seinem neusten Exploit auch von exzellentem Kufen-Material aus dem Team von Sabina Hafner, welche am Freitag sensationell EM-Silber erobert hatte.

Ob Schmid nun von einer Medaille in Whistler zu träumen beginnt? "Mit der Olympia-Qualifikation habe ich mein primäres Ziel erreicht. Whistler ist dann doch eine ganz andere Bahn als Igls. Bei meinen letzten Einsätzen in Whistler hatte ich mich schwer getan. Ich hoffe auf ein olympisches Diplom." Im Vierer läuft es Schmid noch nicht nach Wunsch. In Igls verpasste er gar die Entscheidung mit den schnellsten 20 Mannschaften.

Sieg aufgespart?

Mit mehr als einem Diplom darf Ivo Rüegg rechnen. Er muss mittlerweile in beiden Sparten zu den ernsthaften Medaillen-Anwärtern gezählt werden. Zumal die Bahn in Whistler seinen Fähigkeiten entgegen kommt. Am Samstag mit dem Zweier erlitt er zwar einen kleinen Rückschlag, dieser war jedoch nicht besonders verwunderlich, weil sein bester Anschieber Cedric Grand nach überstandener Adduktorenverletzung sein Comeback gab und sich nicht in Hochform befinden konnte.

Zur starken Leistung mit dem Vierer meinte Rüegg: "Wir haben sicher Silber gewonnen und nicht Gold verloren. Mit dem grossen Schlitten sind wir in dieser Saison lange nicht in Schwung gekommen, und dass es jetzt ausgerechnet auf dieser Bahn geklappt hat, ist super. Bezüglich dem Personal, das mir im Vierer zur Verfügung steht, kann ich mir nichts Besseres vorstellen." Wer weiss, vielleicht hat sich Rüegg den ersten Sieg des Winters für Whistler aufgespart...

Langes glanzvoller Weltcup-Abschied

Das Mass aller Dinge ist im Vierer derzeit allerdings Andre Lange. Der Doppel-Olympiasieger von Turin triumphierte in dieser Sparte schon zum vierten Mal in Serie -- notabene bei seiner Weltcup-Dernière (46. Sieg). Nach dieser Saison wird Lange den Rücktritt vollziehen. Für ihn war es der insgesamt achte EM-Titel, was Rekord bedeutet. Noch am Freitag und Samstag wurden im Lager der erfolgsverwöhnten Deutschen lange Gesichter registriert, nachdem ihnen Schweizer Athletinnen und Athleten einiges streitig gemacht hatten.

***** folgt Kurz-Interview mit Sportchef Scherrer *****


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